|
|
|
Wie entstand die Insel?
Omø hat wohl dieselbe Entstehungsgeschichte wie der Rest Dänemarks. Die Insel entstand aus Moräneablagerungen in der Eiszeit. Sicher ist, dass es sich hier um die Stillstandslinie des Grosser-Belt-Gletschers während der letzten Eisschmelze handelt. Damals bildeten sich hier zwei getrennte Inseln, der heutige Skovbanken (Waldhügel), dessen höchster Punkt 24 Meter über dem Meer liegt, und der südliche Teil der Insel, wo sich jetzt das Dorf von Omø befindet. Hier ist der höchste Punkt elf Meter hoch.
Seit der Steinzeit hat sich der nördliche Teil Dänemarks gehoben, der südliche Teil senkte sich ab. Omø liegt fast genau auf der Achse zwischen diesen beiden Teilen des Landes, was unter anderem dazu führte, dass sich die Insel um 0,5 bis 1 Meter seit der Steinzeit gehoben hat. Das kann man auch an den alten Küstenstreifen am südlichen Teil der Ostküste ablesen, wo sich inzwischen ein schmaler Streifen Vorland gebildet hat. Diese Anhebung führte übrigens auch zur Bildung des Sees, denn es bildete sich ein Wall, das heutige Draget, am Südende des seichten Sunds und ein weiterer zwischen dem Hafen und dem Skovbanken. An diesem Wall ist vor einiger Zeit eine kleine Pumpenstation errichtet worden, mit deren Hilfe das Wasser des Sees immer auf niedrigerer Höhe als das Meer gehalten werden kann, wodurch das Weideland um den See immer grösser wurde.
Mit der oben erwähnten Anhebung entstand auch das flache Moor, Støvlen genannt, das seit 1901 nach dem Bau des Leuchtturms mit Deichen vor dem Meer geschützt wird.
Klimatisch gesehen liegt Omø in einer bemerkenswerten Lage: Die Insel liegt in dem Teil Dänemarks mit dem geringsten Niederschlag und mit den höchsten Sommertemperaturen, also in einem Klima, das dem subkontinentalen sehr ähnlich ist.
|

Der Skovbanken, vom Hafen aus gesehen
|
Sandstrände
Wirkliche Sandstrände ohne Beimischung von Kies findet man wenige auf der Insel: westlich des Hafens, am Draget an der Ostküste und am Riff. Hier bilden sich auch Dünen, und die wiederum ziehen viele Sommergäste magisch an.
Dünen bilden sich vor allem da, wo Strandgerste und Strandhafer wächst. Gerste gibt es überall entlang der Küste, Strandhafer allerdings nur an den drei genannten Stellen, da nämlich, wo es Sandstrand gibt. Am Riff wachsen ein paar Büschel so genannter Ostseehalme, einer Kreuzung von Strandhafer und Bergrohrweizen, den man übrigens an vielen Stellen auf der westlichen Seite der Insel findet.
Bei Ebbe zeigt sich auch Wattenschilf, und gewöhnlichen Schilf findet man dann auf höher gelegenen Streifen stabiler Vegetation. In den Gezeitenzonen tritt besonders häufig Strandbeete und Strandkohl auf, vermischt mit Sodawurzel, Gauchheil, einer Primelart, Strandsenf und verschiedenen Sorten Wildspinat.
Die stabilere Vegetation entlang der Küste wird bestimmt von Schilf, Sauerampfer, fette Henne, Labkraut, grauem Beifuss, Strandwermut und Riedgras. Dazwischen mischt sich Frühlingskraut und verschiedene verwilderte Arten wie Erdbeeren und Spargel. An den ältesten und inneren Kanten der Sandstrandsvegetation findet man schliesslich rotes Schwingelgras, Hundegras, schmalblättriges Rispengras, die gewöhnliche Pimpernelle und Grasnelken.
|

Sandstrand am Hafen
|
Steinstrände
Da die Insel aus zwei Moräneschollen aufgebaut ist, besteht natürlich der grösste Teil der Küste aus Steinstrand. Typisch ist er vor allem entlang der Westküste beim Hafen und an der Ostküste, entlang der Steilküste. Hier gibt es die grössten Findlinge, wohingegen an der Südküste mehr Kies wie in Dünen angelagert ist. Die häufigsten Steinstrandpflanzen sind Sauerampfer und Labkraut, Strandbeete und Strandkohl, Beifuss, kriechendes Fingerkraut und Leinkraut. Auf den Kiesdünen wachsen ausserdem Labkraut, Ackerwinde, Strandbeete, Gauchheil, Strandkohl, Beifuss, Riedgras, rotes Schwingelgras und nickendes Leimkraut. An den Kanten findet man dann noch Spitzwegerich und glatten Feldsalat.
Steilhangküsten
Westlich des Hafens gibt es ein Stück Strand, das beinahe typisch ist für die niedrigen Hangküsten. Hier wächst dichtes, undurchdringliches Dornengebüsch, das alle andere Art von Vegetation durchaus zu erdrosseln vermag wie das übrigens auch Holunderbüsche an anderen Stellen auf der Insel tun.
An den Hängen findet man oft Gänsefingerkraut, wilde Beeren und Saudisteln, oft auch die besonders stechenden Stranddisteln.
Einzelne Küstenabschnitte bestehen aus Steilküsten, wo während der Winterstürme oft grosse Teil des Moränenmaterials abstürzen. Dabei entstehen oft neue Böschungen, auf denen dann mit der Zeit sich ebenfalls verschiedene Gräser- und Pflanzengesellschaften bilden können. Dazu gehören Hafer und Riedgras, Schilf, Hundegras und schmalblättriges Rispengras. Ausserdem wachsen dort so gewöhnliche Pflanzen wie Schafgarbe, Ackerschachtelhalm, grauer Beifuss, Saudisteln, verschiedene Labkrautarten und andere Wiesenkräuter. Dazwischen gibt es auch immer einmal wieder Flecken mit so genannten Kulturflüchtlingen.
|

Hangküste westlich des Hafens
|
Die grösste und schönste Steilküste befindet sich entlang dem Skovbanken. Sie besteht hauptsächlich aus Moränelehm, manchmal durchzogen von schmalen Sand- und Kiesschichten. Am Fusse der Steilküste bleibt nur ein schmales Stück Ufer übrig, das bei stürmischem Wetter oft überspült ist.
Der südliche Teil der Steilküste ist mit Gebüsch, Wurzeln und Gras überwachsen, und diese Abschnitte sind sicher die schönsten der Insel. Der mittlere Abschnitt der Steilküste besteht aus nackter Lehmwand mit Gesträuch auf den überhängenden Kanten, und der nördliche Teil wiederum ist völlig überwachsen.
Die Vegetation auf den hohen, nach Süden gewandten Hängen ist sehr abwechselungsreich und voller interessanter Arten. Natürlich gibt es hier Dornengebüsch, Schlehen, Hagebuttensträucher und Brombeeren. Mitten in den fast unzugänglichen Sträuchern wachsen aber auch so seltene Pflanzen wie der Rattenschwanz, die Strandzwiebel und die Hundskamille, dazwischen all die anderen Strandblumen und Kräuter. Während des Sommers wechselt die Steilküste ständig ihre Farbe, je nachdem, welche Blüten sich gerade zeigen.
Da gibt es Perioden von Gelb, wenn Löwenzahn und Beifuss, Labkraut und Habichtskraut blühen. Blau wird die Steilküste, wenn wilde Lilien und Hechelkraut blühen, und schliesslich überzieht ein Blumenteppich aus Flockenblumen die Hänge. Dazu kommen Grasnelke und Ackerwinde, Ackerschachtelhalm und Pimpernelle, wilder Kerbel und andere wilde Pflanzen.
Die Kanten der Steilküsten sind wild bewachsen mit Ulmenbüschen und Flieder, Wildäpfeln, Kirschen und Silberpappeln. Und auf den nördlichsten Steilküsten wachsen sogar Silberdisteln und Königskerzen.
|

Das Draget mit der Steilküste im Hintergrund
|
Küstenhänge im Osten
Die flache Steinzeitküste vom Draget zum Øret ist vor allem mit Dornenbüschen und Schlehenkraut überwachsen. Charakteristisch sind hier Malven, hin und wieder findet man Zichorie, die es auch entlang verschiedener Wege auf der Insel gibt.
Strandweiden
Grosse Strandweiden erstrecken sich vom Hafen bis zum Riff, entlang der Westküste vom kleinen Moor bis zum Leuchtturm und besonders entlang der Küste zwischen Leuchtturm und Øret. Diese Strandweiden haben sich aus Stranddünen und Kies gebildet, die sich mit Sand und Tang vermischt haben, und auf dieser Unterlage hat sich mit der Zeit eine dicke Moorschicht gebildet. In trockenen Sommern sind diese Weiden verwelkt, aber im Frühsommer geprägt von einer artenreichen Vegetation mit den für Omø typischen seltenen Pflanzen.
|

Blick aufs Moor
|
Ausschnitt aus "Eine naturhistorische Untersuchung von Omø im Grossen Belt", Natur und Jugend 1972, leicht bearbeitet. Fotos: Net-lodsen. |
|
|
 |
|