Omøs schöne, unverdorbene Natur und das reiche Vogel- und Pflanzenleben laden zu faszinierenden Wandertouren ein, und angesichts der überschaubaren Grösse von viereinhalb Quadratkilometern und einer Küstenlänge von 11,6 Km gibt es viele Möglichkeiten, die Insel näher und gründlicher kennenzulernen.

Im Folgenden drei Vorschläge für verschieden lange und mehr oder weniger anstrengende Wandertouren. Welche Tour Sie auch wählen, denken Sie bitte an Trinkwasser und sorgen Sie für gute Fussbekleidung.

Wanderung 1:
Vom Hafen zum Riff, über den Waldhügel (Skovbanken) zum Strand (Draget) und durchs Dorf zurück (etwa 4 km).

Im Hafen erregt zunächst eine Skulptur aus alten eichenen Heringspfählen die Aufmerksamkeit. In Zusammenarbeit mit den Einwohnern Omøs hat der kubanische Künstler William Perez im Jahr 1997 das "Monumento a la Unidad", das Monument für die Einheit errichtet. Auf den Pfählen sind die Namen der Mitwirkenden verewigt. Weitere Werke von William Perez sind im Inselarchiv zu sehen. Hinter der Tankstelle ist der Platz, wo die Fischer ihre Netze zum Trocknen aufhängen und ihre kleinen Boote parken.

Vom Hafen geht dann die Wanderung zunächst nach links an der ehemaligen Schmiede vorbei. An der Wand hängt eine Wetterfahne, die ein Pferd darstellt, das gerade beschlagen wird. Rechts und links liegen die so genannten Kirchdornen, von denen man annimmt, dass sie vor mehr als hundert Jahren einen Pestfriedhof umrahmten. Dahinter erkennt man den See von Omø, der daran erinnert, dass vor vielen tausend Jahren die Insel zweigeteilt war: die nördliche Hälfte mit dem 24 m hohen Waldhügel (Skovbanken) und die südliche Hälfte, die nur bis zu 14 Metern hoch ansteigt. Strand- und Landerhebungen haben später die zwei Hälften miteinander vereinigt.

Die Wiesen zeigen im Frühsommer eine vielfältige Pflanzenwelt aus Wiesenkräutern, darunter der weiße Steinbrech, das lila Wiesenschaumkraut, gelbe Butterblumen, verschiedene Gräser und Schachtelhalm.

Hinter den beiden Häusern zur Rechten steht eine Teeranlage, in der die Fischer früher ihre Netze teerten und somit haltbar machten. Nachdem vor einigen Jahren die Elektroleitungen unterirdisch verlegt wurden, haben Naturliebhaber zwei Masten mit Drähten errichtet für die vielen Schwalben, die jedes Jahr Omø besuchen.

Der Weg führt nun über den Skovbrøndvej an einem zumeist überschwemmten Wiesenstück vorbei, wo man Austernfischer, Kiebitze und Sumpfvögel beobachten kann. Hier gibt es auch oft verschiedene Entenarten zu sehen.

Nachdem man den Skovbanken, die höchste Erhebung der Insel erreicht hat, kann man die schönste Aussicht über den Hafen und den Grossen Belt genießen. Geht man rechts, führt der Weg an einem inzwischen umgebauten Aussichtshäuschen vorbei, das während des Ersten und Zweiten Weltkriegs militärische Bedeutung hatte. Von hier kann man über die ganze Insel sehen, die vom Meer in fast allen Farben zwischen blau und grün umsäumt ist: über den See, die Kirche, das Dorf, die Windmühle und den Leuchtturm.

Am Fuß des Wegs kommt man zum Seehof (Søgaard) wo es “Bed & Breakfast“ gibt und wo man Inselsouvenirs kaufen kann. Von hier aus kann man das reiche Vogelleben des Sees beobachten, hier gibt es Graugänse und Höckerschwäne, verschiedene Entenarten sowie Rothalstaucher und Blässhühner. Im Schilf leben Rohrammer, Schafstelze und Teichrohrsänger. Wenn man Glück hat, kann man einen Kuckuck hören. Mit einem Fernglas kann man Rothalstaucher und die seltenen Schnatterenten beobachten. Vielleicht fliegt ja auch gerade eine Rohrweihe vorbei, die auf der Jagd nach Mäusen und kleinen Vögeln ist. In den letzten Jahren hat die Rohrdommel ihren Einzug auf Omø gehalten. Fast den ganzen Tag über kann man ihr Röhren hören (das klingt, als bliese man auf einer leeren Flasche), und oft kann man sie zwischen See und Moor fliegen sehen. Bitte bleiben Sie auf der Strasse, damit das Leben rund um den See ungestört bleibt.

Am Seehof vorbei geht es jetzt zum Draget, einem Sandstrand, wo man sich gut ausruhen und schwimmen kann. Der Strand führt von hier nach Norden zur Steilküste, wo Uferschwalben leben, nach Süden zum Øret, der steinernen Südspitze der Insel.

Vom Strand geht es nach Westen dann ins Dorf, vorbei an einem Storchennest, das im Jahr 2001 errichtet wurde, und wo hoffentlich bald wieder Störche nisten werden. Im Dorf, das als das besterhaltene Bauerndorf von Westseeland gilt, kann man über schmale Strassen an Fachwerkhäusern mit gepflegten Gärten und Steindämmen vorbeischlendern. Vor 1900 lagen alle Bauernhöfe der Insel noch im Dorf; die meisten sind schon auf einer Karte von 1791 verzeichnet.

Im Dorf gibt es einen Kaufmann, die Schule, ein Versammlungshaus, die Feuerwache und die Port, ein schwarz angemaltes Tor, das schon seit Generationen als Zeitung benutzt wird. Auch wenn dieses Tor inzwischen einen Konkurrenten, das Omø-Blad bekommen hat, wird es immer noch für Mitteilungen und Anschläge aller Art benutzt. Hinter dem Tor ist auf dem Langelændergård eine Hofboutique eingerichtet, die einen Besuch wert ist.

Gegenüber steht eine Holzskultur, die von Flemming Mundt aus dem Holz einer eingegangenen Ulme geschaffen wurde. Sie stellt einen alten Landmann dar – nach dem Vorbild des Christian Langelænder, der auf dem Hof hinter der Skulptur wohnte. Vor der Schule steht eine weitere Skulptur, die eine Schleiereule darstellt. Auf dem Schulgebäude dahinter hat die Künstlerin Gerda Østergaard aus Sorø einen inzwischen preisgekrönten Keramikfries geschaffen.

Wenn Sie später in die Husmandsstræde einbiegen, kommen Sie am Inselarchiv (Hausnummer 13) vorbei. Das Inselarchiv ist im Haus der ehemaligen Organistin der Dorfkirche, Edith Nielsen, eingerichtet worden und kann während der Schulferien und nach Absprache besichtigt werden.

Am Dorfteich vorbei geht es nun in Richtung Hafen. Am Rand des Dorfes liegt die Kirche mit dem gepflegten Friedhof. Bitte schauen Sie hinein (siehe Wanderung 3).

Wanderung 2:
Vom Hafen zum Riff, an der Steilküste entlang zum Ørespids und zurück durchs Dorf (etwa 10 km).

Vom Hafen geht es nach links den Revvej entlang, an der ehemaligen Schmiede vorbei, den Kirchdornen, dem Sumpfgebiet und der Küstensicherung. Diese wurde notwendig, weil nördliche Stürme oft das Land dahinter überschwemmten. Dann führt der Weg an den Strandwiesen entlang zum Riff. Unterwegs kann man Wiesenpfeifer, Feldlerchen und Feldbluthänflinge hören. Am Riff dann sieht man, wie die Wellen sich von Osten und von Westen fast einen Kilometer in den Sund hinaus brechen. Enten, Möwen und Kormorane bevölkern das Stück Land.

Folgt man dem Ufer, so kommt man an die Steilküste, die sich, wegen des Wetters, jedes Jahr verändert. Manche Stellen kann man nur bei Niedrigwasser passieren. Die Steilküste misst 24 Meter. Wo sie überwachsen ist, sieht man die Ablagerungen der vier Gletscher, die hier die Insel aus verschiedenen Richtungen überrollt haben. Dafür legen auch die riesigen zerfurchten Steine Zeugnis ab, die immer wieder den Weg beschwerlich machen. Die überwältigende Natur und Ruhe entschädigen für die vielleicht etwas anstrengende Wanderung. Über uns schwirren hier die Uferschwalben, die in 75 cm tiefen Löchern in der Steilküste nisten.

Am Ende der Steilküste erreicht man den Strand, und ein kleiner Weg führt zur Strasse, die man entweder nach links durchs Dorf oder nach rechts über den Skovbanken zum Hafen nehmen kann. Oder man folgt dem Sandstrand in Richtung Øret, zur Südspitze der Insel.

Die Küste besteht jetzt aus Steinen, das Wasser ist klar, ideal für Angler, und unterwegs sieht man überwachsene Ameisenhaufen, Riesensteine und Strandkohl in großen Mengen. Am Øret selbst öffnen sich große Gräben hinter der Küste, aus denen im 19. Jahrhundert Kies und Steine für den Bau des Nordostsee-Kanals geholt wurden. Hier wachsen jetzt Gänsefuß, Sandkriecher und Strandastern.

Hier im Süden der Insel, wo auch viele Sommerhäuser gebaut wurden, kann man Hänflinge, Domgrasmücken und hin und wieder auch Goldammern und Neuntöter beobachten. Im Frühjahr und Herbst ziehen hier große Schwärme von Zugvögeln vorüber, die auf Omø Rast machen.

Zurück ins Dorf und zum Hafen geht es über den Ørevej, links vorbei am Wasserwerk, rechts an der Windmühle, mit einem Blick über das Moor zum Leuchtturm. Am Horizont sieht man Langeland und Fünen. Dann kommt man zur alten Mühle, in der früher Korn gemahlen und auch Gleichstrom erzeugt wurde. Erst 1960 kam Wechselstrom auf die Insel. Durchs Dorf geht es zurück zum Hafen.

Wanderung 3:
Vom Hafen ins Dorf, zum Moor und zum Leuchtturm (etwa 5 km).

Vom Hafen aus geht es rechts den Havnevej entlang in Richtung Dorf. Bald kommt die Kirche in Sicht. Sie wurde 1828 teilweise mit Fundamenten aus Feldstein erbaut. Der Altar aus Eichenstämmen wurde wohl 1576 errichtet, 1828 allerdings umgestaltet; die Altartafel stammt aus dem Jahr 1911 und wurde von Tony Møller gemalt. Der originale dreiflügelige Altar von 1522 befindet sich jetzt im Nationalmuseum in Kopenhagen. Das Altarsilber von 1576 ist gut erhalten und gehörte zur ersten Kirche der Insel, die damals noch aus Holz war.

Gleich nach dem Friedhof sieht man rechts ein kleines weißes Haus, das früher die Feuerspritze enthielt. Danach geht es am Tor vorbei, das seit Generationen als Zeitung der Insel gedient hat mit Mitteilungen und Bekanntmachungen aller Art. Hinter dem Tor ist die Hofboutique des Langelændergårds eingerichtet, die unter anderem eine grosse Auswahl an Wollsachen anbietet.

Am kleinen Weiher vorbei geht die Tour nach rechts, am Kaufmann vorbei. Sie verlassen jetzt das Dorf, passieren den großen, ehemaligen Pfarrhof auf der linken Seite (der Pfarrer lebt inzwischen auf Agersø), und nach einigen Windungen liegt vor Ihnen die herrliche Aussicht über das Moor. Hier kann man im Juni und Juli das Quaken der Frösche hören, darüber die verschiedenen Laute der Wattvögel und das Surren der Bekkasinen, einen Laut, der dadurch entsteht, dass sie ihr Gebiet markieren und dabei einen "Sturzflug" machen, bei dem sie die Schwanzfedern spreizen. Vielleicht hören Sie auch das Heulen, das wie von einem Schweinchen klingt, das aber vom Rothalstaucher stammt. Am Strand sind die riesigen Strandkohlpflanzen ganz mit weißen Blüten bedeckt, die sich später zu Schoten verwandeln. Auf den Weiden blühen lila Strandnelken.

Das Moor wird umgrenzt von zwei Deichsystemen, die sich auf der Spitze treffen, wo auch der Leuchtturm steht. Die Wiesen liegen unter Meeresniveau, deswegen wurden Deiche und Siele angelegt, und vor kurzem wurde auch eine Windmühle errichtet zur Regulierung des Wasserstands.

Der Leuchtturm wurde 1892/93 gebaut und ist 23 Meter hoch. 2005 wurde er von den Behörden wegen mangelnder Sicherheit für die Öffentlichkeit geschlossen, aber wir hoffen darauf, dass er nach entsprechenden Umbauten bald wieder geöffnet werden kann.

Nach etwa 200 Metern den Strand entlang kommt man an einen Weg, der an Schafställen vorbei quer durch das (zumeist überschwemmte) Moor zum Dorf zurückführt, wo es ein überaus reiches Vogelleben gibt: Graugänse und seltene Löffelenten, Schnatterenten und Bekkasine. Genießen Sie die Stille des Moors und den Gesang der Vögel, das wechselnde Farbenspiel der verschiedenen Gräser, und im Herbst das leuchtende Lila des blühenden Heidekrauts.

Um zurück zum Hafen zu kommen, geht man entweder den Strand entlang oder zurück zum Dorf und dann über den Havnevej.

Aus dem Dänischen von Heinz G. Schmidt